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Mittwoch, 4. September 2013

Kitenge

I did it!! Nicht zuletzt, weil mir Christine Mut gemacht hat. Danke! Ich bin in die tiefsten Untiefen der Downtown gefahren und zwar mit dem Matatu, dem Bus-Taxi. Zum Glück hat mich eine italienische Freundin begleitet, allein hätte ich es nicht gewagt. Und jetzt im Nachhinein muss ich sagen: Easy Peasy! Das mach ich wieder! Man muss nur einmal wissen wie es geht, dann ist das kein Problem. Warum ich davor Bammel hatte? Deswegen:


So sieht es im Old Taxi Park aus. Es ist (für uns) komplettes Chaos. Man sollte nicht glauben, dass da eine Struktur dahinter steckt. Am schwierigsten war es, wieder herauszufinden auf unserer Heimfahrt. Man fragt: Wo bitte gehts nach Namuwongo und läuft dann in die Himmelsrichtung, in die gezeigt wurde. Und tatsächlich, irgendwann stößt man auf ein Matatu, von dem der Fahrer behauptet: Ja, ich fahre nach Namuwongo. Man steigt ein, urplötzlich kommen andere Fahrgäste aus dem Nichts und nach 5-10 Minuten ist der Bus voll. Hier kommt der nie raus, dachte ich, aber nach 5 Minuten hatte der Bus seinen Weg aus dem Taxi Park gefunden und wir waren auf der Heimfahrt. Unglaublich.
Was aber wollte ich in der Downtown? Endlich Stoffe kaufen! Und ich wurde fündig. 



Nur hier gibt es eine Unmenge an Läden, die alle etwa so aussehen wie dieser hier. Sie verkaufen unter anderem "Kitenge". Das ist ein etwas festerer Stoff, der meist mit einer Wachsschicht beschichtet ist. Viele der Stoffe werden im Congo hergestellt. Man muss die Stoffe vor der Verwendung zunächst in Salzwasser einweichen, waschen und dann bügeln, sonst sind die bretthart. Ich habe wirklich schöne Stoffe gefunden, unter anderem diesen hier:


Das Vogelmotiv kam mir ja so gar nicht afrikanisch vor, aber ich finde es echt niedlich. Das Zierband ist natürlich nicht drauf gewesen, das hab ich drauf genäht, nachdem ich für meine kleine Milou eine Bluse genäht habe. Hier ist sie:



Diesmal (das ist nicht immer so!) fand sie die Bluse auf Anhieb toll ("Weil da Sterne drauf sind wie bei Laura's Stern"...grummel, na toll....). Aber fotografieren lassen wollte sie sich damit nicht wirklich. 


Ich musste feststellen, obwohl ich ja schon in anderen Ecken der Innenstadt war, diese Ecke ist unglaublich. Man findet wirklich alles. Ich werde bald wieder hingehen, ich kam mir vor wie eine Touristen, die eine komplett neue Welt entdeckt. Was für ein Abenteuer!

Auf bald,
eure aNNa

Montag, 8. Juli 2013

Welcome back!

Welcome back! Wir sind zurück aus dem Urlaub. "Welcome back" sagt man hier übrigens ständig. Kommt Milou aus der Kita heim, ruft der Wächter und die Nannies: "Welcome back!" egal wo her man kommt, "welcome back" ist hier genauso oft gesagt wie bei uns "bitte" oder "danke".

Es war schön in Deutschland. Wir haben viel schönes Wetter abbekommen und als es hässlich wurde, war für uns sowieso die Zeit gekommen wieder abzufliegen.

Wir waren (wieder einmal) völlig überwältigt von dem Produktangebot, von den wunderschönen, vielen Dingen, die man überall kaufen kann. Milou war hin und weg von den vielen Spielplätzen (gibt's hier in Uganda gar nicht) und ihr kleiner Bruder, der Deutschland zuletzt gesehen hat, als er 5 Wochen alt war, war sowieso nur noch am Staunen.

Endlich konnte ich Milou auch die Ampeln erklären ("Bei rot musst du warten, bei grün darfst du laufen"), und erntete dabei komische Blicke von Passanten... wer erklärt seinem Kind erst mit knapp 3 Jahren die Verkehrsregeln? Ja habt ihr denn im Busch gelebt? Ja!
Dies fiel sowieso auf, da Milou bei jeder Tram: "Eine Tram! Eine Tram! Guck mal, eine Tram!" schrie, und ihr kleiner Bruder wild mit seinen Ärmchen rudernd auch völlig aus dem Häuschen war. 

Es war ein Erlebnis! Und irgendwann stand Milli dann am Bahnhof, schaute sich verwundert um und meinte: "Ich glaube, ich kenn das alles gar nicht." 

Während wir weg waren, erschien mein Interview mit Indre auf ihrer Seite MiMa. Es hat total Spass gemacht, die Fragen zu beantworten. Viel öfter sollte man sich mal hinsetzten, innehalten und über solche Fragen nachdenken. Das Interview könnt ihr HIER nachlesen.
Vielen Dank dafür Indre!
Überhaupt lohnt es sich, MiMa am besten gleich zu abonnieren. Ich lese den Blog total gerne, eben weil er mich immer wieder zum Nachdenken bringt.

Kurz vor unserer Abfahrt habe ich Milou übrigens schnell noch ein Kleidchen genähnt. Und mit schnell meine ich schnell. 2 Stunden und das für einen blutigen Anfänger wie mich. Das heißt was. Leider war's dann in Deutschland doch nicht ganz so warm, aber jetzt kann sie es hier wieder anziehen. Den Schnitt habe ich mir selbst aufgemalt. Vorder- und Rückenteil sind genau gleich. Schrägbänder hatte ich nicht mehr (für die Träger), daher habe ich einen Stoff wie ein Schrägband vernäht. Man braucht insgesamt wirklich nur ein Minimum an Stoff. 




Jetzt haben wir aber erstmal wieder unsere Rückkehr gefeiert. Mit Cupcakes. Die mache ich immer so:

220g Butter
150g Zucker
2 große Eier
1 Prise Salz 
          SCHAUMIG RÜHREN
ein paar Spritzer Vanillearoma
200-230g Naturjoghurt (hier gibt es keine Buttermilch)
290g Mehl
1 Tl Backpulver
          UNTERRÜHREN
Rote/pinkfarbene Lebensmittelfarbe hinzufügen. Man braucht nicht viel! Auch wenn man nur wenig zugibt, nach dem Backen sehen die Cupcakes meist knallrot aus!





Ich habe in Deutschland viele schöne Stoffe gekauft und viele Kleinigkeiten. Wir kamen hier mit 200kg (!!!) Gepäck zurück. Ich habe also viel Material, da kann ich euch in nächster Zeit einiges zeigen. Und ich möchte euch noch auf den Kunstmarkt hier entführen. Davon bald mehr.

Ich wünsche euch einen schönen Abend.
Mein Internet wurde während dieses Blogs nun ungefähr 20 mal unterbrochen, Zeit aufzuhören.

Eure 
aNNa



Dienstag, 28. Mai 2013

Restekiste

Gerade werde ich jäh in meiner Nähwut und der Näh-Anfänger-Euphorie ausgebremst: Ich habe keine Stoffe mehr! Nun werdet ihr fragen: Was? In Afrika? Keine Stoffe? Unvorstellbar! Ihr habt schon Recht. Es gibt hier Stoffe. Zuhauf. Aber in der Innenstadt. Eigentlich sehr praktisch, aber eben auch nicht: Alle Stoffläden haben sich in einem kleinen Gebiet in der Innenstadt versammelt. Dort kann man von einem zum nächsten laufen und stöbern. Dort gibt es zwar nicht die Stoffe, die es bei uns gibt (all diese niedlichen Kinderstoffe zum Beispiel nicht), aber eben andere. "Warum fährst du dann nicht schnell mal in die Innenstadt und kaufst welche?" werdet ihr nun also fragen. Und das ist der Haken: Weil es hier kein "eben mal schnell" gibt. Diese Phrase muss man hier komplett aus seinem Sprachschatz streichen. Wenn ich dort hin will, muss ich mich spätestens am Rande der Downtown durch zähen Verkehr wälzen. Ich muss einen Parkplatz finden und irgendeinen Menschen, der untätig in der Nähe sitzt, bitten, auf mein Auto aufzupassen. Ich muss raus aus dem Auto, mir 1000 Mal "Hello Muzungu" anhören und mich zu den Geschäften vorkämpfen. Alles nicht dramatisch. Aber alles dauert mindestens 4 Stunden. Und das ist Zeit dich ich dafür im Moment nicht erübrigen kann. Zumal ich weiß, dass wir - tatatata!!! - nächste Woche nach Deutschland in den Urlaub fahren und ich dort wieder nach Herzenslust stöbern kann. 

Hilft aber alles nichts, ich wollte unbedingt was nähen. Also irrte ich durchs Haus und überlegte, wie ich nun an Stoff kommen könnte. Da fielen mir meine "Sansibar" Tücher in die Hand. Das sind Tücher, die aus sehr dünnem Stoff gemacht sind, und die man auf Sansibar kaufen kann. Sie sind mit Sprüchen in Swahili bedruckt und man kann sie wirklich für fast alles verwenden: als Rock, als Picknicktücher, als dünne Handtücher, als Halstücher etc. 
Und: Als Stoffquelle.
Den Schnitt hab ich selbst gezeichnet und los ging's:


Ich wollte einfach nur ein sehr simples Oberteil für Milou machen. Da der Sansibar Stoff aber wirklich sehr dünn ist, musste ich noch irgendeinen Futterstoff auftreiben. Da fiel mir das Hemd meines Mannes in die Hände, das er aussortiert hatte. Zum Glück ist Milou gerade mal Größe 92/98, so dass ich gerade 2 Teile daraus ausschneiden konnte.


Das Ganze dann einfach fix zusammengenäht und fertig war mein nächstes Stück:


Allerdings, und das muss hier auch mal erwähnt werden: Milou zieht es (bisher) noch nicht an. Im Kindergarten ist gerade ein Peppa Pig (in Deutschland: Peppa Wutz) und ein Hello Kitty Hype ausgebrochen. Somit findet Milou alles toll, was diese beiden Figuren hat. Vielleicht trickse ich und bügel' noch ein Peppa Pig Aufbügelbild auf das Oberteil.... 
Da mein Nährausch immer noch anhielt, nähte ich noch kurzer Hand eine Hülle für das Kinderuntersuchungsheft. Soviel Stoffreste hatte ich noch. 



Aber jetzt wird es wirklich höchste Zeit, wieder neue Stoffe einkaufen zu gehen. Oh was freu ich mich schon auf all die kleinen Kramsläden, auf all die wunderschönen, unnötigen Luxusartikel. Wären nicht diese elendigen Gepäckbestimmungen am Flughafen, dann würde ich wahrscheinlich mit Containern voll Zeug ausreisen... 

Auf bald.
Eure aNNa

Montag, 13. Mai 2013

Nähstunde

Ich hab's euch gesagt! Ich war fleißig solange die Technik versagt hat. Ich habe viel genäht und hier seht ihr nun meine ersten Stücke. Ich bin ein absoluter Nähanfänger und Profis werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber meine Kinder sind zum Glück keine Profis und sie freuen sich einfach nur über die neuen Klamöttchen.
Die Stoffe, die ich verwende, gibt's leider nicht hier in Uganda. Da habe ich mir je kleine Stücke (für Kinderklamotten braucht man ja nicht viel) von einem meiner Lieblingsläden Frieda Hain in Berlin, die inzwischen auch einen wunderschönen Online Shop (Hier zum Online Shop) haben, bestellt. Zwar muss ich dann immer warten, bis jemand nach Deutschland geht und sie mir mitbringen kann, aber das ist es wert.

Hier mein erstes Projekt. Eine leichte Hose für meine kleine Tochter. Wichtig ist in dem Alter, dass sie die Hose allein runterziehen können, wenn sie aufs Klo müssen. Da die Schleife vorn nur Zierwerk ist, geht das mit dieser Hose prima.


Einziger Nachteil: Meine Tochter liebt es überall zu spielen und ist abends meist mehr als schmutzig. Die Hose ist recht empfindlich (von der Farbe her). Aber egal, wir haben hier zum Glück eine Waschmaschine.
Für Baby M. habe ich auch Sachen genäht. Die zeige ich euch ein andermal. Aber was superschnell geht ist das:



Da habe ich einfach eine Hose 2nd Hand gekauft. Ich glaube es war ursprünglich eine Schlafanzughose. Da Baby M. wie wild durchs Haus krabbelt sind Knieschoner nie schlecht und so sieht die Hose nicht mehr nach Schlafanzughose aus, sondern nach lustiger Krabbelhose. Und bequem ist sie sowieso (glaube ich).



Die meisten Schnitte, die ich verwende, sind übrigens aus diesem Buch: "Klein & Oho" von Emma Hardy. Ich mag es sehr gerne, weil die Schnitte gerade für einen Nähanfänger wie mich supereinfach sind. Manchmal wandel' ich sie leicht ab, auch das ist kein Problem. 



Ich wünsche euch einen schönen Tag.
Eure
aNNa